07.07.2021 - Studie veröffentlicht: kein allgemein erhöhtes Krebsrisiko

Einsatz bei der Brandbekämpfung wird als sicher bewertet

Feuerwehrleute können bei der Brandbekämpfung einer Vielzahl von krebserzeugenden Gefahrstoffen ausgesetzt sein. Die Gesundheitsrisiken sind nun erstmals in Deutschland systematisch untersucht worden. Die Studie der DGUV und des IPA kommt zu dem Ergebnis, dass die Tätigkeit als Feuerwehreinsatzkraft unter den gegenwärtigen Schutzmöglichkeiten, vor allem einer korrekt getragenen Persönlichen Schutzausrüstung, insgesamt als sicher angesehen werden kann. Grundsätzlich ist die Möglichkeit eines individuell erhöhten Krebsrisikos durch die Brandbekämpfung jedoch nicht auszuschließen.

Der Brandrauch ist ein Gemisch aus verschiedenen chemischen Stoffen, die je nach Brandort stark variieren. Enthalten sind auch Substanzen aus der Gruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Sie haben unterschiedliche krebserzeugende Wirkung und werden über die Atmung und die Haut in den Körper aufgenommen.
 
In Deutschland sind 40.000 hauptamtliche und 1,3 Millionen ehrenamtlichen Feuerwehreinsatzkräfte tätig. Bislang gab es aber keine Erkenntnisse darüber, ob und wenn ja, wie viel von diesen PAK die Feuerwehrleute bei der Brandbekämpfung aufnehmen. Aus diesem Grunde führten das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA), das Institut für Arbeitsschutz (IFA) und der Fachbereich Feuerwehren, Hilfeleistungen, Brandschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ein Forschungsprojekt bei Feuerwehren in Berlin, Bochum und Hamburg durch.
 
Dabei wurden rund 220 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr sowie Mitarbeitende der Atemschutz- und Schlauchwerkstätten zwischen 2018 und 2020 untersucht. Insgesamt konnten 70 Brandeinsätze dokumentiert werden. An jeweils drei Zeitpunkten nach einem Brandeinsatz wurden Urinproben der Einsatzkräfte gewonnen und auf das PAK Pyren untersucht. Die Studie der DGUV zeigt, dass die Aufnahme von PAK in den Körper von vielen Faktoren während eines Einsatzes abhängt. So ist zum Beispiel die Brandbekämpfung im Inneren von Gebäuden mit starker Rauchentwicklung und bis zum Boden reichender Rauchschicht in der Regel mit einer höheren PAK-Aufnahme verbunden als eine Brandbekämpfung im Freien. Deshalb war in Einzelfällen auch eine erhöhte PAK Aufnahme zu beobachten. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass es sich um zeitlich begrenzte Spitzenbelastungen handelt, die nicht kontinuierlich über die gesamte Dienstzeit bei der Feuerwehr auftreten.
 
Die Studie hat aber auch gezeigt, dass zum Beispiel korrekt angelegte, funktionsfähige Schutzkleidung sowie das bedarfsgerechte Tragen von umluftunabhängigen Atemschutzgeräten die Aufnahme von PAK deutlich verringert. Die im Rahmen des Projektes entstandene DGUV Information 205-035 "Hygiene und Kontaminationsvermeidung bei der Feuerwehr" gibt Tipps, wie Expositionen gegenüber Gefahrstoffen im Feuerwehrdienst effektiv vermieden werden können. Ein Kurzfilm zeigt, wie die korrekte Hygiene bereits am Einsatzort gewährleistet werden kann.
 
Die Ergebnisse dieser Studie zur inneren PAK-Belastung von Feuerwehreinsatzkräften bestätigt die Ergebnisse hinsichtlich der PAK-Belastung von bereits existierenden Studien bei Realbränden aus Nordamerika.
 
Die Zusammenfassung der Studie finden Sie hier.
 
Warum Einsatzhygiene bzw. das Thema Schwarz-Weiß-Trennung an der Einsatzstelle, im Feuerwehrauto und im Feuerwehrhaus so wichtig sind, zeigt auch der UKH Mustervortrag "Schwarz-Weiß-Trennung". Hier werden kurz und knapp Hintergrundinformationen vermittelt sowie Tipps gegeben, wie eine Kontaminationsverminderung oder im besten Fall eine Kontaminationsvermeidung von der Einsatzstelle bis hin zum Feuerwehrhaus funktioniert.

Bild: © benjaminnolte, Adobe Stock

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Warnung des Rettungsdienstausschusses Bayern vom 14.09.2021

Potenzielle Sicherheitsgefahr durch Vollgesichtsmasken bei Tauchgerätschaften

Die Fa. Dräger liefert aktuell Tauchgerätschaften aus, die sog. Vollgesichtsmasken enthalten. Diese Vollgesichtsmasken enthalten Restdruckwarneinrichtungen, welche dem Taucher einen zu geringen Flaschenrestdruck via Klopfzeichen an der Schläfe signalisieren (sog. Specht). Es wurde durch Einheiten der Wasserwacht Bayern zufällig festgestellt, dass sich diese Restdruckwarneinrichtung vom Maskenkörper lösen kann, vermutlich aufgrund eines Konstruktionsfehlers. Sollte dies der Fall sein, kann die Vollgesichtsmaske sofort mit Wasser volllaufen. Damit besteht absolute Lebensgefahr für den Taucher. Zudem reißt sofort die Sprechverbindung zur Leinenführung an Land ab. Die Fa. Dräger hat nach unserer Information gebeten, sämtliche Vollgesichtsmasken vorerst zu sperren. Zur Sicherheit sollte geprüft werden, ob der Konstruktionsfehler auch andere Maskentypen bzw. -herstellungsserien betrifft. Die Warnmeldung können Sie hier nachlesen.

Feuerwehren im Hochwassereinsatz

Spannungswarner für überflutete Bereiche richtig einsetzen

Wegen der aktuellen Lage weisen wir nochmal auf Folgendes hin: Um auszuschließen, dass es für Feuerwehrangehörige zu Gefährdungen durch elektrischen Strom beim Hilfeeinsatz in überfluteten Bereichen kommen kann, können Spannungswarner zum Einsatz kommen.

Herzlichen Glückwunsch!

Feuervögel Berkach sahnen 1. Preis ab

Beim Wettbewerb der Kinderfeuerwehren belegten die Feuervögel Berkach der Freiwilligen Feuerwehr Groß-Gerau den 1. Platz. Ihr Beitrag "Kinderfeuerwehr im Homeoffice" begeisterte die Jury.

Wichtige Info für Helfer*innen

Einsatz im Hochwassergebiet

Wer als Mitglied bei einem Hilfsleistungsunternehmen in Hessen wegen der aktuellen Hochwasserlage in Rheinland-Pfalz oder Nordrhein-Westfalen im Einsatz ist, ist dabei über die Unfallkasse Hessen unfallversichert (Freiwillige Feuerwehren, Beschäftigte und Ehrenamtliche des Arbeiter-Samariter-Bundes, der Johanniter Unfallhilfe e. V., der Malteser Hilfsdienst gGmbH sowie deren medizinischen Dienste als auch die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft e. V.). Helfer*innen, die nicht über ein Hilfeleistungsunternehmen organisiert sind, stehen auch unter gesetzlichem Unfallversicherungsschutz, allerdings bei der jeweils zuständigen Unfallkasse in Rheinland-Pfalz oder Nordrhein-Westfalen. Wir helfen Ihnen unter beratung[at]ukh.de oder 069 29972-440 gerne weiter.